Kreisbereitschaftsleitung

DRK KV Rems-Murr e.V.

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DRK poliert angestaubtes Image auf

Das Deutsche Rote Kreuz zählt laut Umfragen zu den bekanntesten Organisationen Deutschlands und genießt zudem ein hohes Ansehen. Das aber ist dem DRK nicht genug. "Wir wollen begeistern, um Menschen mitzureißen, und Emotionen zeigen", begründete Andrea Steinacker, zuständig beim DRK für die Kampagne, bei einem Pressegespräch in Waiblingen das neue Engagement des Kreisverbandes. Mit Plakaten, TV-Spots und durchs Radio will das DRK sein laut Fuchs, "angestaubtes Image" aufpolieren und menschlicher gestalten. Nicht zuletzt, um neue, junge Mitglieder zu werben. Fuchs: "Auch beim DRK hat die Demografie zugeschlagen. "Über die Hälfte der 25 000 Fördermitglieder im Rems-Murr-Kreis seien über 60 Jahre alt, 15 Prozent gar über 80. Der Anteil der unter 30-Jährigen sei verschwindend gering. "Unsere Wurzeln liegen bei den Älteren. Zur Jugend haben wir eine geringe Bindung." Deshalb werde das Konzept einer "Mitgliedschaft Plus" geprüft, die auch für jüngere Mitglieder Vorteile bringt. So könne eine Einkaufshilfe auch für junge Menschen interessant werden, wenn sie sich beispielsweise den Arm gebrochen hätten und kurzzeitig Hilfe im Haushalt benötigen."



 

Auch Helfer brauchen Hilfe "Intern hat das DRK zusätzlich zur Imagekampagne ein "Netz der Hilfe" aufgebaut. Nach dem Motto "Auch Helfer brauchen Hilfe" können "ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter sich mit unverdauten Problemen an qualifizierte Vertrauenspersonen wenden", erklärte Fuchs das Konzept. Ärzte, Therapeuten, Polizisten und Pfarrer stünden als Ansprechpartner in schwierigen Lebenssituationen besonders nach Einsätzen zur Verfügung. Zehn Jahre ist es her, dass im Rems-Murr-Kreis die Notfallseelsorge und der Nachsorgedienst mit inzwischen 60 Mitarbeitern aufgebaut wurden. Grund dafür war, so Landrat Fuchs, "das Zugunglück in Eschede 1998. Hier wurden erstmals Seelsorger mit in den Einsatz integriert - für Einsatzkräfte und für Angehörige". Diese Nachsorge kam auch beim "größten und schwersten Einsatz des Kreisverbandes" am 11. März 2009 zum Tragen. Beim Amoklauf in Winnenden sorgten zwölf Einsatzfahrzeuge, mehrere Notärzte und Assistenten, ein Hubschrauber sowie 56 Männer und Frauen der Notfallseelsorge für einen "optimalen Dienst in einer schwierigen Einsatzsituation", wie Fuchs das Szenario vor der Winnender Albertville-Realschule beschrieb. "Nach sechs Minuten waren wir vor Ort. Unsere Mitarbeiter haben hervorragende Arbeit geleistet", würdigte Fuchs die "Leistungskraft" und Belastbarkeit der DRK-Mitarbeiter.

Den Rettungsdienst bezeichnete Fuchs denn als die "Kernkompetenz" des DRK. Dabei wurde 2009 die Einhaltung der Hilfsfristen genau beobachtet. 63 000 Einsatzvorfälle hat das DRK verzeichnet, bei 95 Prozent der Fälle waren die Einsatzkräfte 15 Minuten nach dem Alarm am Einsatzort. "Die Notfallversorgung im ländlichen Raum bleibt problematisch", so Fuchs. Mit einem Notarztposten in Althütte werde jedoch nun der Nordosten des Kreises besser bedient. Ab diesem Oktober sogar rund um die Uhr.

Auch die Schließung der Krankenhäuser in Waiblingen und Backnang thematisierte Fuchs. "Wir müssen die Logistik weiterentwickeln." Die Standortkonzeption, bekräftigte er, werde jedoch beibehalten: "Die sieben Bereiche, unter anderem Waiblingen, bleiben." Aber: "Längere Fahrtwege sind zu erwarten." In Backnang möchte das DRK deshalb eine Rettungswache im Untergeschoss des neuen Gesundheitszentrums einrichten. Mit immerhin 2,3 Millionen Euro schlägt das Projekt zu Buche, das Rote Kreuz hofft auf eine Beteiligung des Landes in Höhe von 50 Prozent des Betrages.

Zwei weitere Erfolgsmodelle möchte das DRK weiterführen und aufrüsten. Der aktuell von über 1000 Menschen genutzte Hausnotruf, der besonders älteren Menschen in Notsituationen Hilfe bietet, wird nun ergänzt durch einen Mobilrufdienst. "Schnell und zielorientiert", lobte Fuchs den neuen Dienst. Als Zielgruppe schweben ihm sowohl Outdoor-Sportler als auch Herzpatienten und Demenzkranke vor. "Durch Ortung über ein Satellitensystem können wir auf fünf Meter genau den Ort, von dem der Alarm abgesetzt wurde, ausfindig machen.

 

"Der Kreisverband Rems-Murr ist als Pilotregion für den neuen Digitalfunk ausgewählt worden. Ab Dezember beginnt der Testbetrieb für den "digitalen Sprechfunk für Feuerwehr und Rettungsdienst", berichtet Fuchs. "So erreichen wir eine bessere Flächenversorgung und können mehr Daten abwickeln", versprach sich Fuchs von diesem Versuch.

 

Ein weiterer Grund zur Freude gibt der Blick auf den ambulanten Pflegedienst  des Roten Kreuzes. Gestartet 1994, schrieb der jahrelang rote Zahlen. "Es war ein mutiges Vorhaben, miteinzusteigen, da es bereits viele Anbieter gab", gab Landrat Fuchs zu. Umso erfreulicher die Nachricht, "dass nun kostendeckend gearbeitet wird". Insgesamt 20 Fachkräfte betreuen etwa 60 Patienten im Rems-Murr-Kreis. "Die Personalkosten sind sehr hoch", begründete er die immensen Defizite zu Beginn des Pflegedienstes. "Es überlebt in Zukunft nur der, der rechnen kann und Qualität bietet", zog er sein Fazit für 2009. "Es wird nicht leichter."

 




Veröffentlicht am
08:34:51 01.10.2010